Erster Juli. Die Nacht der Bestimmung.#RamadanSquad

Wenn alles was du sagen willst übereinander liegt. Ineinander greift.
 
Die Symbolik der Zusammenhänge dein Reflexionsvermögen übersteigt, der Tiefgang Allahs Pläne dich in Erfurcht packt.
 
Für den 1.Juli werde ich gebeten einen Ramadanpost zu tätigen. Es ist der erste Juli. Wir gedenken Marwa El Sherbini. Es ist der erste Juli, wir beten in der Hoffnung auf die Nacht aller Nächte. Leilatul qadr. Es ist der erste Juli, ein Freitag.
“Zwei Herzen schlagen ah in meiner Brust!” Und heute scheinen diese zwei Herzen vereinter als denn je. Gesellschaftlich immer wieder getrennt, in meinem ‘selbst’, meinem nafs, genauso untrennbar wie Körper und Seele. Denken und fühlen.
Diese Trennungen existieren für mich nicht. Genauso wenig wie die Trennung zwischen meinem irdischen Engagement und meinem Deen. Dem Islam.
 
 
“Siehe, von droben haben Wir diese (göttliche Schrift )in der Nacht des Schicksals erteilt. Und was könnte dich begreifen lassen, was sie ist, diese Nacht des Schicksals? Die Nacht des Schicksals ist besser als tausend Monate; (Kommentar Asad: in denen es solch eine Nacht nicht gab) in Scharen kommen in ihr die Engel herab, überbringen göttliche Eingebung mit der Erlaubnis ihres Erhalters; vor allem (Übel), was geschehen mag, macht sie sicher, bis zum Anbruch der Morgendämmerung” (al-Qadr ).
 
Was ist unsere Bestimmung? In der Suratul Alak spricht Allah davon, dass jede*r einzelne*r von uns eine Bestimmung hat. Eine ganz individuelle Bestimmung die es zu entdecken und verfolgen gibt.
 
Dies erinnert mich stark an das Buch ‘Der Alchemist’, das sowieso durchzogen ist von islamischen Lehren.
 
„Die Weisen hatten erkannt, dass diese Welt lediglich ein Abbild des Paradieses ist. Die bloße Existenz dieser Welt ist die Garantie dafür, dass es eine vollkommenere Welt gibt. Gott erschuf diese Welt, damit der Mensch durch das Stoffliche seine geistigen Gesetze erkennen lernt. Das ist es was ich unter Handeln verstehe.“ (Der Alchimist).
 
Dieser Abschnitt liest sich für mich wie die perfekte Zusammenfassung und Zusammenführung von Fıtra, Ayat & Iqra.
Das Handeln hängt unmittelbar mit den Gesetzen Allahs (Fıtra) zusammen. Unter Fıtra verstehen wir hier die Gesetzmäßigkeiten in der Schöpfung (siehe hierfür den Tafsir zur Surah Rad). Seien es Naturgesetze, oder Gesetzmäßigkeiten in der Dynamik von Gesellschaften, Psyche von Menschen etc.
Durch das Stoffliche (Die Schöpfung) die geistigen Gesetze Allahs (Fıtra) als einen Akt der  Handlung zu verstehen greift hier 1. auf die Bedeutung von Ayat. Denn mit Ayat sind nicht ausschließlich die Ayat in dem Mushaf (verschriftlichte Version des Qur’an) gemeint, sondern die ganze Schöpfung, die es zu ‘lesen’ gilt. So wie wir die Ayat im Mushaf lesen, um Allah zu verstehen, und uns zu verstehen, so müssen wir auch die Schöpfung lesen. Lesen im Sinne von Iqra. 2. Wird in dem Abschnitt aus ‘Der Alchemist’ schon die Bedeutung von Iqra als Handlung angedeutet.
Was aber bedeutet Iqra?
Iqra, die aller erste Offenbarung die unser Prophet (s.a.w.) erhielt, war nicht ein ‘lesen’ im Sinne von :eine schriftliche Nachricht lesen, sondern meint erkennen, zusammensetzen, reflektieren oder eine bewusste Aufnahme. Es meint begreifen und nachdenken.
Gleichzeitig ist die erste Offenbarung ein Aufruf. Ein Aufruf zu einer Handlung: “Iqra!”.
Wir müssen also iqra als Handlung praktizieren, (Denken als Akt der Handlung – hier könnte ich soziologisch noch so krass in die Tiefe gehen, will aber niemanden langweilen) also diese Welt wie eine Ayat lesen und durch diesen Akt die  Fıtra verstehen/begreifen. “Das ist es was ich unter Handeln verstehe” aus einem Best Seller Roman ist eigentlich auch das, was wir als Muslime unter Handeln verstehen sollen. Ein Reflektieren ohne Handeln ist genauso unmöglich wie ein Handeln ohne Reflektieren. Ist doch die Reflexion bereits eine Handlung.

„Geschrieben steht: „Im Anfang war das Wort!“ Hier stock´ ich schon! Wer hilft mir weiter fort? Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, Ich muß es anders übersetzen, Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin. Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn. Bedenke wohl die erste Zeile, Daß deine Feder sich nicht übereile! Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft? Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft! Doch, auch indem ich dieses niederschreibe, Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe. Mir hilft der Geist! Auf einmal seh´ ich Rat und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat! (Goethes Faust)

Es ist der erste Juli. Wir gedenken Marwa El Sherbini. Es ist der erste Juli, wir beten in der Hoffnung auf die Nacht aller Nächte. Leilatul qadr. Es ist der erste Juli, ein Freitag.
 
Es ist der erste Juli, und etwas worüber wir ungern reden packt mich. Anxities. Gedankenverloren verliere ich mich auf meinem Bett in den Schlaf, ehe ich mich bei Allah wiederfinde.
Zur Suhur Zeit wache ich ungeplant auf. In der Hoffnung auf al-Qadr in meinem Herzen. Stark zu sein, bedeutet Verletzlichkeiten zu zu lassen. Mein größter Akt des Widerstandes ist gegen die eindimensionale Wahrnehmung meiner Selbst. Maybe Malcolm had anxities from time to time?
 
Ich weiß das mein Prophet (s.a.w) welche hatte . Und ich weiß das Allah diese offen ansprach, und somit eigentlich normalisierte, um uns aufzuzeigen, dass selbst jene mit den größten Bestimmungen menschlich sind. Dass diese in dem einen Moment lethargisch in sich einsacken und im nächsten Moment die ganze Welt bewegen können.
“Zwei Herzen schlagen ah in meiner Brust!” Und heute scheinen diese zwei Herzen vereinter als denn je. Gesellschaftlich immer wieder getrennt, in meinem ‘selbst’, meinem nafs, genauso untrennbar wie Körper und Seele. Denken und fühlen.
Diese Trennungen existieren für mich nicht. Genauso wenig wie die Trennung zwischen meinem irdischen Engagement und meinem Deen. Dem Islam.
Die aller erste Offenbarung die mit ‘Iqra’ beginnt geht denn so weiter:
‘LIES im Namen deines Erhalters, der erschaffen hat – den Menschen erschaffen hat aus einer Keimzelle! Lies – denn dein Erhalter ist Huldreichste, der (den Menschen) den Gebrauch der Schreibfeder gelehrt hat” (96:1-5).
Propheten als Aktivisten
Nach dieser Offenbarung verstrich eine längere Zeit in der Muhammad (s.a.w.) gar keine Offenbarung mehr erhielt, ehe die Surah al-Muddaththir offenbart wurde.
‘O DU (in deine Einsamkeit) Eingewickelter! Stehe auf und warne!’ (74:1-2).
Muhamad Asad interpretiert hier wie viele andere Gelehrte den Begriff ‘muddaththir’ im abstrakten Sinne. Er bezieht sich auf Razi, der diese Metapher als Anspielung auf den tiefen Wunsch des Propheten nach Einsamkeit vor dem Beginn seiner prophethischen Sendung  versteht(auch die erste Offenbarung kam ja, als der Prophet sich in die Höhle Hira zurückgezogen hatte).
Nach Mustafa Islamoglu war die Absicht bzw. das Resultat der Unterbrechung der Offenbarung dem Propheten, der sich unter der Last der Offenbarung bedrückt zeigte zu verdeutlichen, dass die Abwesenheit der Offenbarung die größere Belastung ist.
Unter Aktivismus verstehe ich in erster Linie aktiv sein. Sich gesellschaftlich engagieren.
Propheten waren durch und durch Aktivisten. Muhammad s.a.w. der nach der ersten Offenbarung fast schon lethargisch in einer Passivität verharrte wurde mit der Suren al-Muddaththir und al-Muzzammil zu einem Aktivisten konstruiert, dessen zwei aufeinander folgende Tage daraufhin nie wieder glichen. Er blieb aktiv bis zu seinem Tod.
Muhammad der sich nach ‘Iqra’, also unter einer mentalen Last und göttlichen Verantwortung / seiner Bestimmung erdrückt fühlte wurde mit dem Befehl ‘Kum’ (steh auf und warne!’) aus seiner Passivität gerissen.
Der in Einsamkeit, Zurückgezogenheit und Passivität gehüllte/eingewickelte, soll nun seine Einsamkeit aufgeben und vor der ganzen Welt als Prediger stehen (nach Razi, Asad, sowie Islamoglu).
Er konnte aber nicht aktiv werden ohne vorher zu ‘lesen’. Ohne Iqra kann kein aufstehen und warnen erfolgen. Und um die Aktivität, die Handlung aufrecht erhalten zu können müssen wir kontinuierlich ‘iqra’ praktizieren.
M. Islamoglu argumentiert hiermit in seinem Buch immer wieder für die Wichtigkeit des Aktivismus des Muslims.
Nun fiel der Tag an dem ich einen Ramadan Post machen sollte mit dem 1.Juli zusammen.  Dem Tag den  der Rat Muslimischer Studierender und Akademiker in Gedenken an Marwa El Sherbini zum Tag gegen antimuslimischen Rassismus ernannt hat.
Und so befinden wir uns im Ramadan. Dem Monat an dem der Qur’an herabgesandt wurde. Ich komme nicht um ‘iqra’ herum. Und so reflektierte ich, mit der Hoffnung nach Leilatul qadr im Herzen. Der Nacht des Bestimmung. Und alles greift ineinander. Der Qur’an, meine Bestimmung, der 1.Juli. Iqra, Fıtra, Ayat, Kum, dieser Post.
Und ich erinnerte mich nach einem Tag voller Anxieties und Lethargie daran, dass ich unter der Last vom’lesen’ gesellschaftlicher Gesetzmäßigkeiten nicht in Zurückgezogenheit verharren darf. Und so wird mir ‘Kum’, ‘steh auf, und warne!’ mein Motivator. Und dass mein ‘Kum’ nicht ohne mein ‘iqra’ existieren kann.
Meine zwei Herzen, mein Deen und mein Aktivismus, greifen ineinander. Überlappen sich. Statthalter der Erde, diejenigen, die den Menschen am nützlichsten sind. Diejenigen, dessen einzige von Allah definierte Feinde der Shaytan und der Zalim (Unterdrücker) ist.
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