Sonntagsreflexionen. Und was aktivierst du so?

Vorwort: Mit dem Beitragsbild feier ich einfach Beyoncé’s neues Video #Formation. Es steht in keinem direkten Zusammenhang zu dem folgenden Beitrag.

Menschen betreiben aus den unterschiedlichsten Gründen oder Intentionen Aktivismus. Oft beginnen sie mit einem Antrieb, der sich mit der Zeit verändern kann. Manchmal absichtlich, oft aber auch unabsichtlich.

Es gibt tausend Stimmen zu ein und derselben Sache. Darin sehe ich kein Problem sondern ein Potential.

Was mir besonders am Herzen liegt ist die Ansicht, dass sozialer Wandel nicht kalkulierbar ist. Revolution ist nicht kalkulierbar. Soziale Bewegungen sind nicht kalkulierbar. Widerstand ist nicht kalkulierbar.
Dementsprechend sehe ich keinerlei Gewinn darin, mit einem sturen und dogmatischen Blick die eine Herangehensweise zu vertreten und auf alles zu spucken, das einer anderen Strategie folgt. Fakt ist, keine_r von uns kann voraussagen welche gehörte Rede, welcher geschriebener Text, welches gesungene Lied, welche vorgetragene Dichtung, welches gedrehte Youtube Video dazu beiträgt, das eine weitere Person Feuer und Flamme für eine Sache wird. Wir können nicht vorhersehen, wie sich gewisse Dynamiken aufeinander auswirken. Wie sich gewisse Menschen gegenseitig inspirieren. Was für Netzwerke durch welche noch so ‚unwichtige‘ Veranstaltung entstehen. Und was für radikale und progressive Bewegungen aus diesen Netzwerken entstehen.
Ich möchte in das große Ganze vertrauen. Nicht etwa mit einer naiven, rosa-roten Brille, sondern wie der Muslim der sein Kamel anbindet und es dann Allah anvertraut.
Ich möchte über mein eigenes Sein und Wirken hinaus denken. Meine Lebenszeit und meine Energien in eine Arbeit investieren, ohne den Anspruch zu haben in dieser Lebenszeit alle Früchte dieser Arbeit zu sehen. Ohne depressiv und demotiviert zu werden, weil mein individueller, eingeschränkter Maßstab des Erfolges nicht dem entspricht, wie sich gesellschaftliche Dynamiken entwickeln.
Ich bin nur ein weiteres kleines Werkzeug in einem Netzwerk voller Menschen, die aufeinander einwirken.

Manchmal sind  wir rau. Und wütend, fordernd und unapogtically. Manchmal geduldig, abwägend und kompromissbereit. Denn weder sind wir als Aktivist_innen, noch sind die Menschen, die wir erreichen wollen einseitig (und dieses Image müssen wir auch nicht kreieren ).

Während wir eine Person durch den Apell an Menschlichkeit erreichen, erreichen wir den anderen durch einen rauen wake up call der zunächst verstörend und später aufrüttelnd wirkt.

Es gibt unterschiedliche ‘Lerntypen’, unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Frequenzen auf denen Menschen kommunizieren. Viel zu oft vergessen wir, dass mit Menschen arbeiten nicht das selbe ist wie theoretische Texte auseinander zu nehmen und zu kritisieren.

Ich gebe mich meinem eigenen Flow hin. Handele und spreche so wie es in gewissen Kontexten aus mir herauskommt und vertraue auf divine guidance.

Und ich gehe mit mir selbst ins Gericht. Checke meine Absichten  (Niyya) von Zeit zu Zeit und distanziere mich von Menschen und Plattformen, die mich diesbezüglich negativ prägen.

Ich erlaube mir Fehler zu machen, und ein wachsames Auge auf diese Fehler zu haben. Ich erlaube mir ‘In the making’ zu sein.

Vor allem aber gestehe  ich jeder Person die Legitimität, anders für unsere Communities zu arbeiten. Während es durchaus gewisse sell outs gibt, die sich unglaublich gerne für rassistische und populistische Meinungsmache instrumentalisieren lassen und zum PoC Gate Keeper werden (shout out to Hamed Abdel-Samad und Cohorte ), dürfen wir nicht Geschwister verteufeln,  die vielleicht eine sehr ähnliche Vision wie wir selbst verfolgen aber auf anderen Spielfeldern tribbeln.

Ich finde es machmal  erschreckend wie bad ass gewisse Menschen sich vorkommen, wenn sie die wenigen aktiven, die für ihre Communities brennen in der Luft zerfetzen, während sie die vielen Menschen die ganz aktiv gegen die Verbesserung unserer Zustände arbeiten gähnend vorbeiziehen lassen.

Nope. I ain’t talking about one big happy family. But don’t be stupid.

Wir haten gewisse Communities, weil sie ‘präsenter’ sind,  weil sie ‘institutionalisierter’ sind oder mehr Vereine und Vertretungen haben. Wir vergessen, dass diese Communities ebenso voller Individuen sind, die ihre Existenzen finanziell sichern müssen.

Wir haten sie, während wir uns bedingt durch diesen hate die Glorifizierung weißer Aktivist_innen erlauben. Menschen,  die aus ganz anderen Positionen und Privilegien heraus Aktivismus betreiben als jene, denen wir mit keinem Vertrauensvorschuss begegnen wollen.

Wir vergessen, dass Organisationen als Reaktionen zu Unterdrückungsverhältnissen entstanden sind und wir vergessen, dass wir mehr Zeit und Vertrauen in weiße Organisationen und Gruppen investieren, als wir je in diese Gruppen investiert haben. Aber die Hierarchien zwischen anderen PoC Communities und uns stört uns mehr als jede Hierarchie zwischen uns und einem System wie White Supremacy, das sich von Kapitalismus und (Hetero)Sexismus speist.

And no. I aint saying it’s not important to talk and work against hierarchies between different racialised communities. But you lose me if you argue that we have problems too and therefore need to make racism and white privilege a less important topic when we work with white people.

Ich entscheide mich bewusst für mehr Geduld und Vertrauen in marginalisierte Menschen. Nicht weil ich denke, dass sie die besseren oder wichtigeren Menschen sind. Sondern weil sie eine unglaublich undankbare Arbeit machen, während sie gleichzeitig existenziell von strukturellen Unterdrückungsformen betroffen sind. Sich in einem stetigen Prozess der Selbstheilung befinden und ihre Menschlichkeit ständig als Politikum in Frage gestellt wird.

Have a nice Sunday people. And watch  Beyoncé’s #Formation if you haven’t already.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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