Irgendwo dazwischen.

Irgendwo dazwischen

Ich bin kein Hippie. Auch wenn man mir das manchmal aufgrund meiner farbenfrohen Kleidung unterstellen mag. Ich bin alles andere als immer nett und die meiste Zeit interessiert es mich auch herzlich wenig, ob mich Leute nett finden oder nicht, da es mir wichtiger ist im reinen mit mir Selbst zu sein.

 

Vielleicht ist das der Grund für diese Zeilen, vielleicht auch das Hin- und Hergerissen sein zwischen der zermürbenden Last auf meiner Brust. Schreiben, oder nicht schreiben? Schreiben, obwohl ich gerade eigentlich nichts anderes schreiben sollte außer meine Bachelorarbeit und sich jedes andere Schreiben wie eine fürchterliche Prokrastination anfühlt? Oder nicht schreiben, obwohl jedes Schreiben für mich ein bisschen Balsam für die Seele, ein wenig Therapie gegen den alltäglichen Wahnsinn (Rassismus) darstellt. Wie unschwer zu erkennen ergebe ich mich nach zwei Monaten alltäglichem Wahnsinn dem Schreibfluss. Vielleicht, weil es das erste Mal seit zwei Monaten kein Wahnsinn ist, der direkt über meine Person ausgetragen wird und ich hierin ein Ventil finde, das nicht zu viele Steine auf einmal ins Rollen bringt.

 

Ich beobachte Diskurse, die zunächst Unglaubwürdigkeit und kurz darauf Enttäuschung auslösen, die sich allmählich in Wut verwandelt. Diskurse, in denen wir wie Aasgeier übereinander herfallen. Again: No Hippie at all. Niemals ging ich mit einer utopischen Perspektive durch die politisch-aktivistische Landschaft und hoffte auf eine Big Happy Family.

Aber so manchmal möchte ich die Diskursführenden doch echt am Kragen packen und einmal gut durchschütteln.

„Without community, there is no liberation…but community must not mean a shedding of our differences, nor the pathetic pretense that these differences do not exist.“ –  Audre Lorde–

Wir sind Menschen unterschiedlichster Hintergründe, Biographien, Bedürfnisse und Diskriminierungserfahrungen. Und oft passiert es uns, auch mir, dass wir bei dem Wunsch der eigenen Liberation über Leichen anderer Gewaltdiskurse gehen. Einige tun es ganz bewusst, weil das Sprechen zum hegemonialen Diskurs um einiges profitabler ist als die aufrichtige und anstrengende Arbeit innerhalb der Communities. Andere lassen sich immer wieder von ihrem Ego verleiten und vergessen dass auch Empathie und Liebe dekokolonisert werden kann und muss. Dass meine Befreiung als Frau, als Muslima, als Mensch, mit vielen anderen Struggles und Widerständen verzahnt ist und in der Isolation nicht überwunden werden kann. Als sichtbare Muslima mit Hijab erfahre ich persönlich die stärkste Diskriminierung ‚außerhalb‘ der muslimischen Communities, in dem Sinne, dass sie mir oft von weißen und/oder nichtmuslimischen Menschen herangetragen wird. Als sichtbare Muslima mit Hijab genieße ich in innermuslimischen Diskursen Privilegien. Nicht nur. Es gibt auch hier und da Hintertüren, die mich irgendwie auch dort nicht so ganz zur Ruhe kommen lassen, so zwischendrin. Manchmal ein wenig zwischen Tür und Angel. Aber oft genieße ich eine Sicherheit, die ‚anderen‘ Muslimen wiederum so nicht zuteilwird.

Zutiefst gespalten und mit ganz unterschiedlichen Wunden versäumen wir es die richtige Versorgung für die entsprechenden Wunden zu finden. Glauben die Emanzipation der einen Schwester müsse so aussehen wie die der anderen, äußern uns vielleicht ein wenig unbedacht, und reiten dann aufeinander herum anstatt unsere unterschiedlichen Kontexte der Marginalisierung zu erkennen und entsprechend miteinander umzugehen. Machen einander ganz direkt für den Frust verantwortlich, der sich über Jahre hinweg der Isolation und Miss-repräsentationen aufgestaut hat.

Irgendwo dazwischen verlieren wir alle ein wenig mehr Potential, ein wenig mehr Kraft, ein wenig mehr von uns Selbst.

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